Südsudan - Uganda - Kenia


Nairobi – Naivasha See – Baringo See

Reisebericht Sudan. Die Afrika Expedition Sudan, Uganda, Kenia beginnt in Nairobi. Vor der Abfahrt sind schon die wichtigsten Lebensmittel Einkäufe getätigt. Frisches Obst und Gemüse wollen wir noch in Naivasha einkaufen, ebenso den beliebten Crayfisch, Krebse aus dem Naivasha-See, die dort an einem Kiosk wie immer vorrätig sind. Das soll ein tolles Abendessen zum Tourbeginn werden. Wie so oft wollen wir unser Camp am Naivasha-See im ca. 20km entfernten Fishermans Camp errichten. Unmittelbar nach dem Einkauf in Naivasha gibt es einen Wolkenbruch, dessen Ende wir in der Kneipe „La Belle Inn“ bei einem Drink abwarten. Wir hoffen sehr, dass die Campsite nicht allzu viel von diesem Platzregen mitbekommen hat, denn das wäre kein schöner Anfang für die Reise. Wir haben Glück, es ist trocken und der Platz ist auch relativ leer.



Zurück über Naivasha gelangen wir nach Nakuru, wo wir einige Einkäufe tätigen und uns noch eine Kaffeepause im Coffee-Corner am Markt gönnen. Auf guter Asphaltstraße, die nur einmal durch eine weggespülte Brücke und eine holprige Umwegstrecke unterbrochen wird, erreichen wir das Roberts-Camp am Ufer des Baringo-Sees. Zur größten Überraschung gibt es diesmal hier keine Mücken, die ansonsten immer eine schlimme Plage sind. Am nächsten Morgen gibt es naturkundliche Bootsfahrt auf dem See, bei der ein sachkundiger Führer Einblick in die Fauna und Flora am und im See gibt.



Baringo – Kapedo – Napeitom – Kito Pass – Marich

Vom Baringo-See aus, vorbei an der Bergkette der Tugen-Hills, geht es weiter in nördlicher Richtung und wir gelangen zu dem Ort Nginyang. Hier gabelt sich die Straße – eine führt weiter in nördlicher Richtung über Kapedo, Lokori, Lokichar nach Lodwar, die andere nach Nordwesten über den Kito-Pass, Tot und Sigor zum Marich-Pass. Wir entscheiden uns für die kürzere Nordroute zum Turkanasee. Zunächst erreichen wir den Ort Kapedo am Fuß des 1.525m hohen Vulkangipfels Silali. Schon weit vorher bestimmt ein herrliches Bergpanorama die Landschaft.



Hier fließt der Sugutafluss durch einen kleinen Canyon und am Ortsende von Kapedo fällt der Fluss über einen 10 m hohen Wasserfall herab. In der Nähe gibt es auch heiße Quellen, deren Wasser sich in kleinen Tümpeln sammelt. Die eindrucksvolle Berglandschaft begleitet uns noch lange Zeit, wobei die markanten Gipfel Tiati (2.352m) und Akoret (1.525m) ins Auge fallen. Allmählich verschlechtert sich die Piste, sie wird sehr viel enger und die Geröllabschnitte nehmen immer mehr zu. Hinzu kommen steile Serpentinen, bei denen der Lkw viel zu leisten hat. Ohne Allradantrieb wäre hier ein Fortkommen nicht möglich. Aber nun kommt eine Stelle in einer engen Kurve, die extrem steil ist. Hier hat man das Geröll entfernt, um dieses Wegstück durch einen neuen Balag für den Autoverkehr zu verbessern. Noch ist es aber mit feinem, losen Schotter belegt, so dass die Reifen trotz Allrad nicht werden greifen können. Wir gehen kein Risiko ein und entschließen uns schweren Herzens, unweit des Ortes Napeitom umzukehren. Wir fahren also die Strecke bis kurz vor dem Ort Nginyang wieder zurück und biegen in die westliche Piste zum Marich-Pass ein.



Zunächst müssen wir bei der Weiterfahrt den Kito-Pass, der zwischen den Tugen-Hills (2.500m) und den Kamasia-Hills (2.350m) verläuft, überqueren. Die Überfahrt auf der sehr steilen und mit großen Geröllbrocken übersäten Piste ist eine Herausforderung für Mensch und Material. Trotz Allrad machen einem manche Abschnitte schwer zu schaffen. Am Scheitelpunkt des Passes genießen wir den einmaligen Blick über das Kerio-Tal auf die am Horizont liegenden Cherangani-Hills.



Der Abstieg ins Tal ist ähnlich schlecht wie der Aufstieg. Wir fahren lange Zeit durch Buschsavanne des Kerio-Tals. Am Nachmittag hält uns eine Reifenpanne auf, der geplatzte Reifen muss ausgewechselt werden. Wir erreichen den Kerio-Fluss, wo wir eine kurze Mittagsrast einlegen.



Bald darauf sind wir in dem Ort Tot. Hier beginnt das Hauptgebiet des Pokotstammes. Die Buschsavanne wechselt nun in die Waldzone und die Piste wird zunehmend schlechter, bedingt durch die noch nicht lange zurückliegende Regenzeit. Auf dem Weg zum Marich-Pass müssen wir viele Bachdurchfahrten bewältigen, die oft steinig, steil oder schlammig sind, manche Durchfahrten können nur weiträumig umfahren werden. Nach dem Ort Lomut überqueren wir den Wei-Wei-Fluss. Hinter dem Ort Sigor, kurz vor Erreichen des Tagesziels, erreichen wir eine besonders schlimme Flussdurchfahrt - ein Lkw mit gebrochener Lenkung versperrt uns den Weg. Ein Vorbeifahren ist so nicht möglich. Schließlich können wir den Fahrer des Lkws dazu bewegen, trotz schräg stehender Vorderreifen ein paar Meter zur Seite zu fahren, um uns die Durchfahrt zu ermöglichen. Eine atemberaubende Szene, aber wir haben Glück und können schließlich vorbeifahren.



Endlich, nach einem anstrengenden Tag mit einer Fahrt auf mörderischer, fast unbefahrbarer Piste, durch Bäche, Rinnsale, verschlammte Furten, vorbei an umgestürzten Bäumen und einem Reifenwechsel in glühender Sonne erreichen wir noch vor Sonnenuntergang die Einmündung auf die Hauptstraße (A 1) von Kitale nach Lodwar an der Brücke über den mit Geröll übersäten Marunfluss, unweit des Marich-Passes. Ein Stück die Hauptstraße entlang liegt die Campsite „Marich Field Study Center“, inmitten von schattigen Akazienbäumen und mit Blick auf die grandiose Bergwelt mit der Gipfelregion der Cherangani Hills. Nachdem wir die Zelte aufgebaut haben, führt der erste Weg zu den Duschanlagen. Das kalte Wasser bringt die Lebensgeister zurück.



Marich – Lokichar – Lodwar – Turkana-See




Am nächsten Morgen folgen wir der A 1 in Richtung Lodwar. Die Straße besteht nur noch aus einer Ansammlung von Schlaglöchern und man hat ständig zu entscheiden, ob man sich um die Löcher herum schlängelt, einfach durch sie hindurch fährt oder die rechten oder linken teils sandigen, schmalen Bankette benutzt. Man hat kaum Zeit, sich der eindrucksvollen Landschaft zu widmen, die zunächst entlang des Nasalot-Reserves und später entlang des South-Turkana-Reserves führt und den Blick auf majestätische Bergketten freigibt. Nach langer Schüttelpiste erreichen wir den Ort Lokichar und ab hier wird die Straße nach Lodwar wenigstens etwas besser. In Lodwar machen wir einige Einkäufe und versuchen, einen neuen Autoreifen zu kaufen – der Versuch scheitert, weil man die passende Größe nicht hat. Der Tag neigt sich langsam schon dem Ende zu und es zeichnet sich ab, dass wir den Turkanasee nicht mehr vor Sonnenuntergang erreichen können. So schlagen wir die Zelte in der fast baumlosen Steppe auf mit einem spektalukären Sonnenuntergang und dem Blick auf den Kegelberg von Lodwar.

Turkana-See


Nach kurzer Fahrt über eine sandige, wüstenähnliche Piste erreichen wir Eliye Springs am Westufer des Turkanasees. Ein eindrucksvoller Platz mit heißen Quellen in unmittelbarer Nähe des Seeufers.



Die ehemalige Lodge ist verfallen, aber in der nahen Umgebung, im Schatten von Sanddünen und Borassuspalmen, findet jeder ein lauschiges Plätzchen für sein Zelt. Eine heiße Dusche gibt es unter einem kleinen Wasserfall, der von der heißen Quelle gespeist wird. Wegen des Abendessens muss man sich keine Sorgen machen, denn es gibt hier natürlich Fisch im Übermaß und man kann zwischen Tilapia und Nilbarsch wählen. Der Preis ist niedrig und der Fisch wird auch noch von den Fischern ausgenommen.



In der Umgebung des Platzes befinden sich einige kleine Dörfer und die Turkanaleute sind bald überall in der Nähe, um uns und unser Tun zu beobachten. In Windeseile haben sie einen Markt eröffnet, auf dem sie selbst gefertigte Souvenirs zum Kauf anbieten.Am Abend gibt es eine Vorführung traditioneller Turkanatänze, die großen Anklang auch unter der einheimischen Bevölkerung findet.



Turkanasee – Sudangrenze – Kapoeta

Der Turkana-See liegt hinter uns und über Lodwar fahren wir weiter in nordwestlicher Richtung. Die Piste führt zwischen den Loima-Hills (2.286m) und der Pelekech-Range (1.585m) hindurch. Wir erreichen den Ort Karuma, wo sich ein riesiges Flüchtlingslager der UN befindet. Hier sind über eine Million Flüchtlinge aus ganz Afrika in primitivsten Hütten untergebracht. Außerhalb des Ortes können wir in der Ferne die Hütten erkennen. Wir durchqueren einige Trockenflüsse und nähern uns kurz vor dem Ort Lokichoggio den Sogot-Mountains (1.754m). Links der Strasse liegt ein Canyon, in dem der Anam-Fluss entspringt, der über viele Felsen und Klippen zu Tal plätschert. Bei einer kleinen Wanderung im Rahmen unserer Mittagsrast kraxeln wir durch die bizarren Felsen im Bereich der Quelle. Von hier oben hat man einen tollen Blick auf die weite, fast baumlose Steppenlandschaft.



Nach kurzer Fahrt erreichen wir Lokichoggio, den letzten größeren Ort vor der Sudan-Grenze. Wir übernachten in einem Camp der GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit), die im Auftrag der UN für den Straßenbau in der Region zuständig ist. Das Camp ist bis auf einen Wächter menschenleer, da alle Arbeiter über Weihnachten und Neujahr in Urlaub sind. Es gibt Hütten und Großzelte zum Übernachten. Heute ist Heiligabend und ein Baum auf dem Gelände wird als Christbaum umfunktioniert. Als Lametta dienen schmale Streifen aus silberfarbenem Textilklebeband, die wir auf die Blätter des Baumes pappen.



In Lokichoggio erfolgt die Grenzabfertigung für Kenia und den Sudan. Die Formalitäten dauern etwa 1 ½ Stunden. Wir setzen die Fahrt im Sudan auf guter Piste in Richtung Kapoeta fort. Hin und wieder fahren wir durch kleinere Dörfer, wie Narus, Nagpotpot und Buna. Wir sind bereits mitten im Gebiet des Topossa-Stammes, dessen Dörfer wir später besuchen wollen. Kurz vor Kapoeta haben wir wieder eine Reifenpanne. Ein weiterer Reifenwechsel in glühender Mittagshitze ist angesagt und wir müssen das schwere Ersatzrad mit fünf Leuten von der Ladefläche herunter wuchten. Zum Glück können wir auf der Schattenseite des Lkws arbeiten. In Kapoeta, Hauptort des Topossastammes, biegen wir von der Hauptpiste ab und gelangen zu einem weiteren GTZ-Camp, in einem schönen Wald gelegen. Wegen der angespannten Sicherheitslage im gesamten Südsudan kommt uns diese Möglichkeit des Campierens sehr entgegen, da Buschcamps möglicherweise mit Risiken verbunden sein könnten. Hier wollen wir zwei Nächte bleiben. Wir haben einen einheimischen Führer angeheuert, der uns zu einem großen Topossa-Dorf in der weiteren Umgebung von Kapoeta bringen wird. Nach längerer Fahrt durch Buschsavanne stoßen wir endlich auf ein großes Dorf. Ein erster Höhepunkt der Reise liegt vor uns. Wir wollen in aller Ruhe das Dorf und seine Bewohner besuchen. Auch hier bewährt sich wieder der Einsatz einer Polaroid-Kamera, um den Dorfbewohnern zunächst die Scheu vor dem Fotografieren zu nehmen. Auch hier tut das seine Wirkung.

Im Topossa Dorf

Nach anfänglichem Zögern geben sich die Bewohner gelassener und eine gesunde Neugier greift um sich. Wir können in Ruhe alles betrachten und gewinnen einen Eindruck vom Alltagsleben der Menschen. Auffällig ist die Bauweise der Hütten und der Vorratsspeicher, vor allem wegen der künstlerischen Flechtart der Dächer. Die Topossa sind ein halbnomadisches, ostnilotisches Hirtenvolk in der süd-sudanesischen Provinz East-Equatoria, in der Gegend um Kapoeta. Sie leben vorwiegend von der Rinderzucht. Rinder sind für sie, wie für die meisten Hirtenvölker des Landes, der Inhalt des Lebens und sie dienen nicht nur der Nahrungssicherung, sie sind vielmehr ein Statussymbol. Daher kommt es nicht selten zu Fehden zwischen den einzelnen Gruppen und benachbarten Stämmen, bei denen es um Viehdiebstahl und die Benutzung von Wasserstellen geht. Die meisten Stämme im Südsudan befassen sich neben der Rinderzucht immer öfter auch mit Feldwirtschaft, bei der sie meistens Hirse und Hackfrüchte anbauen, die in der Trockensavanne am besten gedeihen.



Frauen und Männer der Topossa und auch vieler anderer Stämme bringen sich Schmucknarben bei, wobei die Motivation sehr unterschiedlich ist. Sie dienen der Schönheit, der Steigerung der sexuellen Anziehungskraft, der Demonstration von Tapferkeit bei rituellen und kriegerischen Kämpfen oder zur Identität bei der Abgrenzung zu benachbarten Stämmen. Die Narben, die an den verschiedensten sichtbaren Körperstellen angebracht werden, entstehen durch kleine Schnitte in die Haut, die mit Asche eingerieben werden, um eine schnelle Heilung zu verhindern und dadurch auffällige Narben entstehen zu lassen.



Überwältigt von den vielen Eindrücken treten wir langsam die Rückfahrt an. In Kapoeta machen wir im Garten des Naivasha-Hotels in der Nähe der alten Moschee eine Erfrischungspause. Vor der Ankunft im Camp werden wir von einer Gruppe tanzender Frauen „aufgehalten“. Sie sind in der üblichen Stammestracht gekleidet und tanzen mit Gesang und wilden Gebärden um den Lkw herum. Wir steigen vom Lkw ab und mischen uns unter den Tanzenden. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung. Vor uns liegt nun ein Gebiet, in dem seit Jahren blutiger Bürgerkrieg zwischen dem moslemischen Norden und dem archaischen Süden des Sudan herrscht. Hinzu kommen im Grenzgebiet Uganda / Sudan bewaffnete Auseinander- setzungen zwischen Rebellen aus Uganda und den Bewohnern des Grenzgebietes im Südsudan. Immer häufiger stoßen wir auf verlassene oder zerstörte Panzer und LKWs, hin und wieder auf Schilder mit Warnhinweisen vor Minen.



Kapoeta – Keyala – Ikotos – Ugandagrenze




Weiter geht die Fahrt in westlicher Richtung. Heute ist es sehr diesig und wir können die besonders eindrucksvolle Landschaft der Didingaberge nur bedingt genießen. Dennoch machen wir einen Fotostopp, um wenigstens ein paar Stimmungsbilder mitzunehmen.



Der Kidepo-Fluss, der die meiste Zeit des Jahres kein Wasser führt, hat dem Kidepo-Nationalpark im äußersten Nordosten Ugandas, den wir in den nächsten Tagen besuchen wollen, seinen Namen gegeben. Im Schatten unzähliger Borassuspalmen am Flussufer gönnen wir uns eine kurze Pause. Nach kurzer Fahrt entdecken wir versteckt in den Bergen rechts der Piste ein großes Dorf aus Strohhütten. Die Bauweise der Hütten ähnelt der des Topossadorfes bei Kapoeta, aber hier handelt sich um den Stamm der Latuko, der eng mit den Topossa verwandt ist. Wir entschließen uns, trotz der großen Hitze dem Bergdorf unter orts- und sprachkundiger Führung einen Besuch abzustatten und gelangen durch Hirsefelder und auf schmalen, Pfaden zum Dorfeingang.

Im Dorf der Latuko


Am Dorfeingang werden wir zunächst vorsichtig und zurückhaltend begrüßt, aber dürfen dann doch das Dorf betreten und uns herumführen lassen. Auch hier leistet die Polaroidkamera wieder gute Dienste. Auf dem Dorfplatz liegen einige Trommeln herum und auf einer bringe ich mir selbst ein „rhythmisches“ Geburtstagsständchen! Wir erfahren, dass die Bewohner erst vor sechs Jahren ihr Dorf in der Ebene verlassen und sich aus Angst vor Rebellenübergriffen in die Berge zurückgezogen haben. Auch in diesem Dorf sind wir von den prachtvoll gestalteten Wohn- und Vorratshütten fasziniert. Vom oberen Teil des Dorfes aus hat man einen herrlichen Blick auf das terrassenförmig angelegte Dorf und die unendliche Landschaft, die immer noch im staubigen Dunst liegt.



Wir erreichen schließlich Torit, den Hauptort des Latuko-Stammes und auch hier gibt es wieder ein UN/GTZ-Camp, in dem wir übernachten können. Am nächsten Tag fahren wir zunächst auf der gestrigen Piste zurück in Richtung Kapoeta, biegen dann aber bei dem Ort Keyala nach Südosten ab. Die Piste ist nicht besonders gut, aber die Landschaft der nun folgenden Dongatona-Mountains ist besonders malerisch und einzigartig. An besonders reizvollen Stellen rasten wir kurz, um die Eindrücke auf uns wirken zu lassen. Hin und wieder kommen wir an kleinen Dörfern, wie Lofi, Kikirik und Momoriya vorbei, deren Bewohner uns freundlich zuwinken.



Nach dem größeren Ort Ikotos ein letzter Blick auf die gigantische Bergwelt mit dem Isuluk-Gipfel (2.600m), der nun aber völlig im staubigen Dunst verschwindet. Ein Sturm kommt auf und wir verlegen das Camp in eine Waldschneise am Fuße der Berge hinein. Der Sturm begleitet uns die ganze Nacht.



Die Piste führt zur Ugandagrenze, an der es nur einen winzigen aber offiziellen Grenzübergang gibt. Den Hauptübergang bei Nimule haben wir aus der Planung genommen, da dort viele Pisten immer noch vermint sein sollen. In dem winzigen Ort Mosingo erledigen wir die Grenzformalitäten für die Ausreise, die ohne Zwischenfälle verlaufen.

Ugandagrenze – Kidepopark – Kaabong – Kotido – Karamoja

Wir sind in Uganda und fahren erst einmal lange Zeit durch Niemandsland. Dann sind wir in Madi Opei, dem offiziellen Grenzposten Ugandas, wo wir den Einreisestempel bekommen sollen. Der zuständige Mann mit dem Stempel ist um die Mittagszeit nicht auffindbar und der „Ortsbürgermeister“ empfiehlt uns, weiterzufahren und es in der nächsten größeren Stadt Kitgum (40 km) erneut zu versuchen. Aber auch dort gibt es nach langem Suchen keinen Offiziellen und so fahren wir eben ohne Stempel weiter. Vor der Abfahrt in Kitgum stellen wir fest, dass ein Bolzen der Halterung des rechten Benzintanks gebrochen ist. Da die Zeit für eine Reparatur fehlt, verzurren wir den Tank provisorisch mit einem Nylonseil am Rahmen. Nächstes Ziel ist der Kidepo-Nationalpark im Nordosten Ugandas. Die Zeit ist schon weit fortgeschritten und die Suche nach einem geeigneten Campplatz ist schwierig, da wir ständig durch bewohntes Gebiet fahren. Am nächsten Tag fahren wir über Orom, am Fuße des Mt. Rom (2.380m), nach Karenga. Die Piste führt durch die Nangeya Berge, deren bizarre Gipfel teils bewaldet und teils felsig sind. Mit Blick auf die Berge machen wir Mittagsrast. Zum Katurum-Gate, dem südwestlichen Eingang des Kidepo-Nationalparks ist es nicht mehr weit.



Unmittelbar neben dem Parkhauptquartier im alten Apoke-Restcamp gibt es inzwischen die neue Apoke-Safarilodge, eine Luxusanlage mit Pool auf einer Anhöhe mit grandiosem Blick über die Ebene. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich, wobei offene Savannenlandschaft mit Schirmakazien und Borassuspalmen vorherrscht. An den Berghängen gibt es auch vereinzelt Bergregenwald. Der Ranger zeigt uns einen Platz auf einem Hügel auf der anderen Talseite. Auch von hier hat man einen tollen Rundblick auf die Landschaft des Parks und die umliegenden Berge, ein angemessener Platz für den Übergang ins neue Jahr. Hier wollen wir drei Nächte bleiben.



Der ca. 1.440 qkm große Nationalpark liegt unmittelbar im Dreiländereck Uganda, Sudan und Kenia mit einer Höhenlage zwischen 1.300m und 2.750m und ist von Bergketten umgeben. Man fühlt sich wie in einem Kessel. Die majestätischen Gipfel Morungole (2.750m) und Zulia (2.147m) überragen das Bergpanorama. Vom östlichen Parkbereich aus kann man den schon im Sudan liegenden Mt.Lotuke (2.797m) ausmachen.



Zwei Flusstäler, die vom Narus- und vom Kidepofluss gebildet werden, durchziehen den Park, von denen nur der Narus ganzjährig zumindest etwas Wasser führt. Daher sammelt sich zu dieser Zeit im Narustal in der Nähe des Apoka-Camps das Wild. Bei mehreren ausgiebigen Pirschfahrten sehen wir Elefanten, Giraffen, Antilopen usw. Besonders eindrucksvoll ist die riesige Büffelpopulation. Viele kleinere Gruppen von Büffeln haben wir schon gesehen als wir plötzlich auf eine Herde stoßen, die nach Angaben der Ranger weit über tausend Tiere zählt. Als sich die Herde, die friedlich grast, von uns gestört fühlt, setzt sie sich mit dumpfem Grollen tausender Hufe in Bewegung – die Erde bebt.



Beim Verlassen des Parks haben wir von den Rangern erfahren, dass es im Gebiet zwischen Kaabong und Kotido einen Rebellenangriff auf einen Lkw gegeben hat, bei dem auch Menschen verletzt worden sind. Da dies auch die von uns vorgesehene Strecke ist, wollen wir uns in Kaabong beim Militär über den aktuellen Sicherheitsstatus dieses Streckenabschnitts erkundigen. Die Landschaft zwischen dem Park und dem Ort Kaabong ist sehr eindrucksvoll und je näher wir Kaabong kommen, umso bizarrer sind die Felskegel.



In Kaabong erfahren wir dann vom Militär, dass wir die Strecke nach Kotido (80km) keineswegs alleine fahren dürfen, zumal sie durch dichte, unübersichtliche Buschsavanne führt. Sie stellen uns deshalb zwei Panzerspähwagen mit Maschinengewehren und bewaffneten Soldaten als Schutz zur Verfügung. Nach einigen Einkäufen setzen wir uns mit dem Konvoi in Bewegung, ein Panzerfahrzeug vor uns und eins hinter uns. So erreichen wir unbeschadet den Ort Kotido, wo es einen herzlichen Abschied und einige Erinnerungsfotos gibt.



Wir befinden uns in der Region Karamoja, Lebensraum des Stammes der Karamojong. Weit ab von der Straße in der Steppe campieren wir. Für den nächsten Tag haben wir den Besuch in einem typischen Dorf der Karamojong vorgesehen. Es dauert auch nicht lange, bis wir am nächsten Morgen in einiger Entfernung die ersten Hütten eines großen Dorfes erblicken. Unweit des Dorfes stellen wir den Lkw ab und gehen das letzte Stück zu Fuß, um die Leute nicht zu erschrecken.

Im Dorf der Karamojong

Die Karamojong sind Halbnomaden ostnilotischen Ursprungs und leben als Viehhirten in den kargen Savannengebieten im Nordosten Ugandas, betreiben jedoch vermehrt auch Feldwirtschaft mit Mais und Hirse. Die größte Rolle des Stammes spielen jedoch nach wie vor ihre Rinder und sie glauben, wie andere nilotische Völker auch, dass alle Rinder ihnen gehören. Daher kommt es seit eh und je zu schweren Auseinandersetzungen mit benachbarten Stämmen (Teso, Kumam, Kakwa in Uganda, Turkana in Kenia), zum Teil mit Toten und Verletzten. Hierbei geht es um Viehdiebstahl und Kämpfe um Wasserstellen. In der Regenzeit zapfen die Karamojong auch die Halsschlagader der Kühe an und trinken als Nahrungsergänzung deren Blut.



Karamoja – Kadam Berge – Mt. Elgon – Keniagrenze

Wir hatten eine sehr schöne Zeit mit den Menschen im Dorf und viele Szenen konnten wir im Bild festhalten. Eine eindrucksvolle Berglandschaft begleitet uns nun schon seit dem Kidepo-Park, aber in dem folgenden Streckenabschnitt zwischen Nakapiripirit und dem Mt. Elgon gibt es noch mal eine Steigerung – die bizarre Berglandschaft des Kadamgebirges (Mt. Kadam 3.068m), deren Gipfel dicht bewaldet sind.



Vorbei an den Dörfern Namalu, Okolim und Chepsikunya erreichen wir die Ausläufer des Mt. Elgon-Massivs, das zur Hälfte in Uganda (Wagagai 4321m) und zur anderen in Kenia (Koitobos 4187m) liegt. Über eine gute Asphaltstraße, die in Serpentinen sehr steil in den Berg hinein führt, erreichen wir den Ort Sipi und schlagen in der Umgebung der Sipi-Wasserfälle auf der Moses-Campsite die Zelte auf.



Kenia Grenze – Kakamega Forest – Saiwa Swamp

Von den Sipi-Fällen auf der Ostseite des Mt. Elgon-Massivs aus gelangen wir über Mbale und Tororo an die Grenze Uganda/Kenia. Die Grenzformalitäten verlaufen ohne Probleme und die Tatsache, dass wir keinen Stempel über die Einreise vom Sudan nach Madi Opei in Uganda vorweisen können, wird von den Grenzbeamten nicht beanstandet. Sie wundern sich lediglich darüber, dass überhaupt Touristen im Sudan sind. Hinter der Keniagrenze in der Stadt Bungoma ergänzen wir die Vorräte und fahren über Webuye auf guter Straße nach Kakamega, in den gleichnamigen Nationalpark.

Kakamega Forest – Nationalpark

Die Campsite liegt auf einer Lichtung mitten im Wald, ein romantischer Platz um die Zeit hier zu genießen. Der Kakamega-Forest ist eines der interessantesten Regenwaldschutzgebiete Ostafrikas und ein Überbleibsel aus der Zeit, bevor die Abholzung tropischer Regenwälder begann. Hier sind viele Tier- und Pflanzenarten beheimatet sowie über 300 Vogelarten, viele Amphibien und Reptilien und unzählige verschiedene Baumarten. Mit einem Führer unternehmen wir eine Wanderung durch den Dschungel, auf der wir Riesenbäume mit Brettwurzeln, Würgefeigen, Stachelbäume, seltene Pflanzen, Baumpilze und viele Tiere, vor allem Affen, sehen. Eine weitere Wanderung am nächsten Tag führt uns zu dem im Dschungel versteckt gelegenen Isiukhu-Wasserfall. Isiukhu bedeutet so viel wie „Ort der Geister“.



Die ereignisreichen Tage im Regenwald von Kakamega sind vorbei. Über Webuye und Kitale gelangen wir zum Saiwa Swamp-Nationalpark. Über längere Strecken sehen wir zur linken Seite immer wieder die eindrucksvolle Gipfelregion des Mt. Elgon.

Saiwa Swamp

Der Park ist mit nur zwei qkm das kleinste Naturschutzgebiet Kenias und hat seinen Namen von dem kleinen Saiwa-Fluss, der das Sumpfgebiet durchfließt. Auf der kleinen Campsite mitten im Wald, der den Sumpf umgibt, campieren wir für zwei Nächte. Der Park wurde eigens dafür errichtet, um die selten gewordene Sitatunga-Antilope zu schützen. Durch ihre besonders gearteten Füße mit breiten, langen Hufen, ist sie in der Lage, sumpfiges Gelände zu durchqueren. Sie kann bei Gefahr auch mit ihrem ganzen Körper im sumpfigen Wasser untertauchen, so dass nur die Nüstern zum Atmen herausragen. Das Sumpfgebiet kann man nur zu Fuß erkunden. Auf dem 6km langen Rundweg, der über weite Strecken sehr unwegsam und morastig ist, hat man immer wieder einen eindrucksvollen Blick auf den Sumpf und die diesen umgebende Landschaft. Am Weg liegen fünf Aussichtsplattformen und kleine Holzbrücken, auf denen man zum Beobachten verweilen kann. Sitatungas sehe ich leider nicht, was bei dieser dichten Vegetation auch Glücksache ist. Neben Sitatungas gibt es hier verschiedene Affenarten und unzählige Vogelarten.



Saiwa Swamp – Njoro – Nairobi

Die Reise neigt sich mit Riesenschritten ihrem Ende zu. Die Strecke von Saiwa nach Nairobi ist nicht in einer Etappe zu bewältigen und so bietet sich als Zwischenstopp die Kembu-Campsite in der Nähe von Njoro, etwa 30km vor Nakuru, zum Übernachten an. Ohne weitere Zwischenfälle erreichen wir über Nakuru und Naivasha Nairobi, den Ausgangspunkt der Reise.




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